15.12.2008 Neues Buch von Prof. Dr. Reinhard Haller
"Glückauf zur letzten Schicht": Diesen Titel trägt das neue Buch des Bodenmaiser Ehrenbürgers Prof. Dr. Reinhard Haller, der darin den Aufschwung, den Niedergang und das Ende des Bayerischen Berg- und Hüttenwerks Bodenmais von 1871 bis 1962 schriftlich aufgearbeitet hat. Das Werk, vom Sozialausschuss des Pfarrgemeinderates herausgegeben, sollte ein Beitrag im Jubiläumsjahr der 50. Wiederkehr der Markterhebung sein. Der Autor hat das Buch seinem kürzlich verstorbenen Bruder Georg gewidmet.
Eingangs behandelt Prof. Dr. Reinhard Haller die Blütezeit im Deutschen Kaiserreich, die von 1871 bis 1914 andauerte. Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts erleben das erstmals 1463 urkundlich erwähnte Bergwerk im Silberberg und die ab der Mitte des 16. Jahrhunderts produzierende Vitriol-, Polierrot- und Farbhütte einen letzten Aufschwung. Unerwähnt bleibt dabei nicht die Planungsphase, die Entscheidung für den Rißbach, Trassenführung und Herstellungsbedingungen, welche die Inbetriebnahme der "Ersten Staatlichen Elektrischen Zentrale in Bayern" erfordert. Vor 1914 erfolgt noch die Umstellung auf eine mechanische Erzaufbereitung und das Ende der Vitriolerzeugung naht. In den Jahren des Ersten Weltkriegs führt die Einberufung von Berg- und Hüttenleuten zu Absatzrückgang und Stillstand. Roherze werden für Kriegszwecke verwendet, anstelle von Handbohrer kommen Bohrhämmer und Bodenmaiser Bergleute werden nach Lam verlegt. Ab 1918 erlebt das Berg- und Hüttenwerk Bodenmais eine vorübergehende Aufwärtsentwicklung, die durch Geldentwertung, Hochwasserschäden und den Folgen der Weltwirtschaftskrise getrübt wird. "Am 5. Januar 1931 wird der Bergbau totalitär eingestellt und die Betriebszeiten in der Aufbereitung in der Rosthütte und in der Poteehütte auf 2 Tage wöchentlich begrenzt", ist zu lesen und Haller schreibt weiter, dass 58 Arbeiter entlassen werden und 21 bleiben dürfen. Schon im Folgejahr werden die politischen Konsequenzen aús der Arbeitslosigkeit spürbar. Die Vereinnahmung der Knappschaft durch die NSDAP, Beschränkungen in den bergmännischen Traditionen, Gutachten und Empfehlungen zur Wiederbelebung des Berg- und Hüttenbetriebes, die Umsiedlung von Bergleuten in andere Reviere und das Unternehmen "Nihilyt" fallen in die Jahre von 1933 bis 1939.
"Mit Kriegsbeginn am 1. bzw. 3. September 1939 geht das Berg- und Hüttenwerk in eine ungewisse Zukunft", lautete es im Buch, zumal den Berg- und Hüttenleuten der Kriegsdienst droht. Vorerst bleibt die Werksleitung und -verwaltung unverändert. Später werden Bodenmaiser Bergleute auf die "Johanneszeche" bei Lam abberufen. Am 1. Dezember 1941 werden nach 10jähriger Unterbrechung vier Bergleute mit den Vorarbeiten zur Wiederaufnahme des Untertagebaus im Silberberg beauftragt - der planmäßige Abbau setzt am 1. Janaur 1942 ein. Genaue Betriebsberichte informieren über den Erzabbau und Förderung, Bergschmiede, Aufbereitung der Roherze, Verwitterung der aufbereiteten Erze, Röstung der verwitterten Erze und die Verarbeitung der Rösterze in der Polierrot- und Farbhütte. Prof. Dr. Haller geht auch ausführlich auf die Arbeiter- und Familienfürsorge und die Schutzmaßnahmen gegen drohende Kriegseinweirkungen ein. In weiteres Kapitel des Buches befasst sich mit der Situation des Werkes kurz vor Kriegsende, die Invasion und Besetzung des Ortes durch US-Streitkräfte, einem Mordfall auf dem Silberberg und der Wiederaufnahme des Bergbaubetriebes. In den Nachkriegsjahren besteht die Betriebsleitung und Werksverwaltung aus Peter Josef Klee, Karl Herold, Adam Brandstätter, Hans Blendinger, Friedrich Koller, Markus Erwin Wölfl, Eduard Stabl und Josef Kollmeier. Willbald Schönberger, Theodor Gleixner und Paul Treml sind Bergwerkspraktikanten. "1948 sitzen im Silberberg 28 Bergleute an", schreibt der Autor über die Arbeit im Bergwerk. Bevor Prof. Dr. Reinhard Haller zu den Sozialleistungen für die Berg- und Hüttenbelegschaft und ihre Familien in der "Schlechten Zeit" kommt, erläutert er die harte und staubige Arbeit in der Erzaufbereitung, an den Verwitterungshaufen, in der Rost-, Polierrot- und Farbhütte.
"Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts läuft der Barbaratag nach ein und dem selben Grundmuster ab", beschreibt der Autor die denkwürdigen Feiern in den Jahren des Aufbruchs. Verschiedene Projekte des Berg- und Hüttenwerkes werden umgesetzt: Bau eines Wasserspeichers für das elektrische Kraftwerk, Errichtung eines Wohnhauses auf dem Silberberg, Untersuchungen in stillgelegten Bauwerken. Am 27. August 1953 ist letzter Sprengtag im Silberberg - der regelmäßige Untertagebetrieb wird eingestellt. Die Zeilen, welche in den Jahren 1953 bis 1962 das Ende des Erzabbaus im Silberberg erläutern, sind mit Wehmut verbunden. Prof. Haller berichtet über Ursachenforschung und Reaktionen, so wie die Entlassungen. "Zwar nehmen die ehemaligen Bergleute zusammenm mit den Hüttenleuten noch bis 1962 uniformiert und mit kleinen Abordnungen an den kirchlichen Prozessionen teil - jedoch verliert der Barbaratag sein bergmännische Gepräge", schreibt Prof. Dr. Haller. In diesem Jahr schließt auch die Potee- und Farbhütte - der Bergwerksbetrieb ist jetzt vollkommen eingestellt. Damit verschwinden auch die Aufzüge im schwarzen Bergmannshabit aus dem kirchlich-repräsentativen Leben der Pfarrei.
Erst 1971 gibt es wieder einen bergmännischen Gottesdienst mit Barbaramahl und Tanz, veranstaltet von dem von Markus Erwin Wölfl, Erich Redmann und weiteren Verfechtern bergmännischer Tradition ein Jahr zuvor wiedergegründeten "Knappschaftsverein". Karl Kollmaier hat 1989 das Amt des 1. Vorsitzenden übernommen und bekleidet es bis dato. Seit 1760 besteht in Bodenmais eine Bergmusik. Heute leitet Hans Kuchl die 1970 von Erich Redmann ins Leben gerufene Knappschaftskapelle. 1997 wird Realität, was niemand je für möglich gehalten hätte: "Der Silberberg, Wappenberg der Marktgemeinde Bodenmais, wird zusammen mit seinem 20 Kilometer umfassenden Stollensystem, 130 Hektar Grundstücksfläche und der "Grubenschänke" an sechs Privatpersonen verkauft.
Reich bebildert mit etwa 120 Fotos ist das 208 Seiten starke Schriftwerk von Prof. Dr. Reinhard Haller, der herausstellt, dass der Silberberg über 500 Jahre hindurch ein wichtiger "Arbeit- und Brotgeber" für die Bodenmaiser war. Dieser 21. Band zur Bodenmaiser Vergangenheit, den der Autor als Mixtur aus Zeit-, Orts-, Familien-, Wirtschafts-, Sozial- und Kulturgeschichte bezeichnet, ist in der Tourist-Info, der Sparkasse, Heidis Wundertüte und bei Marianne Wölfl, Teisnacher Straße erhältlich. Gegenwart und Zukunft könne nur aus dem Wissen um die Vergangenheit gestaltet werden, so der Verfasser - das "Glückauf" im Titelzitat erhält damit eine weitere, zukunftsweisende Dimension.
Timo Krause
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