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02.09.2010 - Themen - Kunst & Kultur - Ortsgeschichte
Geschichte über Bodenmais Bayerischer Wald

Die Bodenmaiser Geschichte

Die Geschichte von Bodenmais kann am besten umrissen werden, mit dem Satz: "Vom Bergbaudorf zum heilklimatischen Kurort"


Der Bayerische Wald, inmitten des größten zusammenhängenden Waldgebirges Deutschlands liegend, findet in den Geschichtsbüchern schon früh Erwähnung. Gerodet wurde das Gebiet zuerst von Mönchen, dann von einigen wenigen Siedlern, die sich in dem "Urwaldgebiet" niederließen. Der erste urkundliche Bericht über Bodenmais findet sich im Urbar der bayerischen Herzöge, um das Jahr 1300, in dem vom "Item das Goldwerch ze Pabenmaiz", berichtet wird.

Um die Mitte des 15. Jahrhunderts wurde in den Gruben bei Bodenmais, genannt "des Allmächtigen Gottes Gabe", nach Silber gegraben, um 1485 erhielt der Ort vom bayerischen Herzog Albrecht besondere Privilegien, durch den großen Freiheitsbrief von 1522 wurde der Ort zur "vollkommen gefreiten Bergstadt" erhoben.
Nachdem die Gewinnung von Edelmetallen zurückging, stellte sich das Bergwerk 1542 auf die Erzeugung von Vitriol um, das damals zum Färben der Stoffe Verwendung fand. Mit der Umwandlung in eine Hofmark 1580 erloschen die Rechte der freien Bergstatt.
Ab 1760 geriet der Absatz von Vitriol ins Stocken. Durch ein neues Verfahren, Potée zu erzeugen, die zum Schleifen der Gläser und Polieren der Spiegel Verwendung fand, erlebte das Werk in den Jahren 1870 bis 1914 seine größte Blütezeit. Bodenmaiser Potée ging in die ganze Welt. Aber durch die Entwicklung neuer Herstellungsverfahren war man bald nicht mehr konkurrenzfähig, und schließlich wurde der Betrieb 1962 eingestellt.
Seither steht das Silberbergwerk interessierten Besuchern als Schaubergwerk offen. 1998 erwarben sechs ehemals im Bergwerk Beschäftigte das Werk mit den dazugehörigen Liegenschaften und betreiben seither das "Historische Besucherbergwerk im Silberberg", das weit über die Grenzen von Bodenmais hinaus bekannt ist und als Ausflugsziel sehr gut frequentiert wird.
Da der Bergbau auch mit kirchlicher Tradition verbunden ist - die Schutzheilige der Bergleute ist die Heilige Barbara - waren Abordnungen der Bergleute stets auch bei kirchlichen Prozessionen und Festen zugegen.
Die Bodenmaiser Kirche wurde 1804/05 in der Mitte des Marktplatzes erbaut, und zwar so, dass sie in Richtung des Silberberg zu stehen kam. 1955/56 wurde die Kirche durch den Anbau eines "Oktogons" erweitert. Den Altar schmückt eine Nachbildung des Gnadenbildes von Loreto (ein Geschenk des Kurfürsten), dass bereits am 16. Juni 1705 (Namenstag des Heiligen Benno) in einer feierlichen Prozession nach Bodenmais übertragen wurde. Die Erinnerung daran wird noch immer jedes Jahr mit einem "Umgang", bei dem das Gnadenbild mitgetragen wird und einem großen Ortsfest gefeiert.

Nachdem sich schon ab dem 15. Jahrhundert Glashütten im Bodenmaiser Raum ansiedelten, wurde Bodenmais nach 1945 innerhalb von 30 Jahren zum Glasveredlungszentrum und bietet heute die größte Bleikristallauswahl Deutschlands.
Zuerst hat man die Glashütten als Kloster- bzw. Stadthütten in den Wäldern rings um die Städte und Klöster betrieben. Als der Wald abgeholzt war, verlegte man die Glashütten in den damals noch vorhandenen Urwald. Diese Wildnis haben nun die Glasmacher vor ca. 600 Jahren zu roden und zu erobern begonnen. Die Glashütten benötigten aus dreierlei Gründen den Wald und zwar:
- das Holz für die Beheizung der Schmelzöfen
- das Holz für die Gewinnung der Pottasche, aus 1 t Buchenholz erhielt man 2,19 kg Pottasche
- den Quarz, der in den Bayerwald-Bergen zu finden war und in den Steinbrüchen abgebaut wurde, als Hauptrohstoff für die Glasherstellung.
Glas ist der älteste, künstlich erzeugte Werkstoff, eine Erfindung der Menschen. Der Künstler sieht im Werkstoff Glas eine Masse, welche sich beliebig färben und formen lässt, so dass der Phantasie des Gestaltens keine Grenzen gesetzt sind und Glasmachern vielfältigster Raum gegeben wird. Am Ende steht vor dem Besucher ein Kunstwerk, das immer wieder aufs Neue fasziniert. Ja, es ist schon etwas besonderes, wenn Erde, Sand, Soda und Kalk in der Gluthitze des Feuers bei ca. 1500 Grad zu einer glühendflüssigen Masse geschmolzen und noch glühend verarbeitet werden. Erhärtet und erkaltet stehen vor uns durchsichtige Gebilde, wie feine Glaskelche, bunte Schalen, extravagante Sonderanfertigungen oder Pokale aller Coleur.
Die Glashütten reichten von Passau bis in die Oberpfalz, deshalb kann man von einem "Glasland", bzw. von einer "gläsernen Straße" sprechen, in Bodenmais erzählen die Glashütten der "Kristallwelt" von dieser Glaskulturgeschichte.
Da sich in Bodenmais, abseits der großen Verkehrsverbindungen, keine Industrie, außer der Glasindustrie, ansiedeln wollte, hat man frühzeitig den Fremdenverkehr als Erwerbsmöglichkeit erkannt. Der Ursprung geht schon zurück auf das Jahr 1883, in dem in Bodenmais der Bayerische Waldverein gegründet wurde. Nach dem Krieg wurde der Fremdenverkehr weiter ausgebaut und Bodenmais zum bekanntesten und meistbesuchten Kurort des Bayerischen Waldes.
1945 wurde Bodenmais zum Luftkurort erklärt und 1958 zum Markt erhoben. 1962 begann man mit dem Bau eines beheizten Freibades, 1967 erfolgte der Kurhausbau und 1972 konnte das Hallenbad in Betrieb genommen werden. 1989 erfolgte die Fertigstellung des neuen Rathauses mit Kurverwaltung, der Tiefgarage und des Kurparks.
Als krönenden Abschluss der Bemühungen des Ortes im touristischen Bereich erhielt man im Dezember 1992 das Prädikat "Heilklimatischer Kurort".

Bodenmais hat sich durch sein gesundes, waldreiches Mittelgebirgsklima zum größten Tourismusort des Bayerischen Waldes entwickelt. Schon immer sind bevorzugt Menschen mit Erkrankungen der Atemwege und Herz-Kreislauf-Krankheiten zur Erholung in dieses Gebiet gekommen. Das milde Schonklima im Tal, das reizstarke Klima in den Höhen, die Reinheit der Luft durch die Bewaldung und nicht zuletzt der beruhigende Einfluss der Waldlandschaft haben sich schon immer besonders günstig auf diese Krankheiten ausgewirkt. Ein weiterer Heileffekt hat sich durch Zufall gefunden.
In den stillgelegten Bergwerkstollen des Silberbergs werden seit Jahren Führungen durchgeführt, dabei haben Ortsansässige, wie Gäste, die an Erkrankungen der Atemwege litten, festgestellt, dass sich nach dem Besuch des Bergwerks ihre Beschwerden deutlich gebessert haben.
Von den damaligen Bodenmaiser Ärzten wurden die Zeichen richtig erkannt und in Zusammenarbeit mit der Gemeinde und den Bergwerksbetreibern wurde ein Konzept ausgearbeitet, dass unter dem Begriff "Bodenmaiser Stollentherapie" (Untertage-Klima-Kur) über die Grenzen Bayerns hinaus viele treue Anhänger gefunden hat. Jedes Jahr wiederkehrende, zufriedene Gäste, die sich keineswegs als Patienten fühlen, sondern die im Gegenteil ihren Urlaub in Bodenmais verbringen, um an einer Stollentherapie teilnehmen zu können, sprechen für sich.
Das Klima von Bodenmais, von vielen prickelnd wie Champagner empfunden, kann auch zu einer so genannten "Klimakur" genutzt werden. Bei einer Klimakur setzt sich der Kurgast einerseits mit dem jeweiligen Wetter und anderseits mit der Umgebung und der Topographie der Landschaft auseinander. Das Grundprinzip der Klimatherapie basiert auf den Gesichtspunkten a) Schonung, bzw. Entlastung und b) Anpassung an natürliche Umweltfaktoren, wie Luftreinheit, Höhenunterschiede, Sonne, Licht, sowie Kälte und Wind.

Bodenmais bietet also die verschiedensten Varianten von Erholungsmöglichkeiten: vom Gesundheits-Urlaub über Aktiv- und Erlebnis-Urlaub bis zum "Wellness-Urlaub, der Gast findet alles was sein Herz begehrt.
Der Markt Bodenmais hat aber auch stets die größtmöglichen Anstrengungen unternommen, um im Ort ein entsprechendes Ambiente zu schaffen und auch die Ursprünglichkeit von Land und Leuten zu erhalten.
So wird den Wintersportlern, speziell den Langläufern, seit 1994 ein Funktionsgebäude am Bretterschachten, unserem weit über die Grenzen Deutschlands hinaus, bekannten Langlaufzentrum, angeboten, zu dem sie bequem und kostengünstig mit dem Schibus gelangen können.
Im Sommer 1995 wurde das Kurparkbad eröffnet und von 1993 bis 1998 erfolgten die Ortskern-Sanierung und die Schaffung eines verkehrsberuhigten Bereichs.
1997 erhielt Bodenmais sogar den Projektpreis für Tourismus und Umwelt im Bundeswettbewerb umweltfreundlicher Fremdenverkehrsorte.
1997 eröffnete der damalige Bundeskanzler, Herr Dr. Helmut Kohl, die Glasstraße, in die Bodenmais ebenfalls eingebunden ist.
Um den Gästen im Ort mehr Bewegungsfreiheit einzuräumen, wurde 1998 eine "Ortslinie" eingeführt, die seither regen Zuspruch findet und bereits nicht mehr aus dem Ortsgeschehen wegzudenken ist.
Von 1999 bis 2001 wurde das "Alte Rathaus" an der Bergknappenstraße von Grund auf saniert und beherbergt nun die Gemeindebücherei und Ausstellungsräume. Die Räumlichkeiten des Gebäudes wird für kleinere Veranstaltungen und als Seminarraum genutzt.
Von 2002 bis 2004 wurde die gesamte Wasserver- und Abwasserentsorgung auf den neuesten Stand der Technik gebracht.

Wenn sie Bodenmais einmal besuchen, werden sie überrascht sein, was der heilklimatische Kurort unterm Silberberg, am Südhang des Großen Arber, alles zu bieten hat. Bodenmais und seine freundlichen Bewohner erwarten Sie!

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