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15.12.2008 Volkstrauertag 2008
"Wir haben sie nicht vergessen...", bekräftigte Bürgermeister Michael Adam in seiner ersten Rede anlässlich des Volkstrauertages 2008 vor dem Kriegerdenkmal am Marktplatz in Bodenmais und schloss "die Väter, Mütter und Kinder aus Gemeinde, Landkreis, Land, Europa und der ganzen Welt" in das Gedenken ein, "die sterben mussten, weil verblendete Befehlshaber Kriege anzettelten und ein verbrecherisches Regime in seinem Rassenwahn mordete". Die emotionalen Worte des jungen Rathauschefs trafen den Sinn des Gedenktages, der immer mehr aus dem Bewusstsein gerät. Mit mahndenden Appellen zu Versöhnung, Solidarität und Frieden hatte der Markt Bodenmais, gemeinsam mit der Kirche, den Vereinen und Verbänden den Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft gedacht.
Bei nasskalten Temperaturen, angeführt von der Knappschaftskapelle, formierte sich der gemeinsame KIrchenzug mit den örtlichen Vereinen, der die Feierlichkeiten einleitete. Zur Hälfte füllte sich die Pfarrkirche nur zögernd mit den Abordnungen, allen voran Bürgermeister Michael Adam und sein Stellvertreter Johann Sturm, zumal auch ein Großteil der Markträte dem Gottesdienst und der Gedenkfeier fernblieb. Am Hochaltar waren die restaurierten Erinnerungstafeln mit den Namen der Bodenmaiser Kriegsopfer aufgestellt. "O Gott, vor deinem Angesicht verstoss uns arme Sünder nicht" begann die Liedertafel, welche auch die Feierstunde am Kriegerdenkmal mitgestaltete, unter der Leitung von Richard Freilinger die Haydn-Messe. Andreas Bachl hatte den Lektordendienst übernommen und trug die Fürbitten vor. Diakon Josef Schlecht verkündete das Evangelium.
"Wir haben eine große Verantwortung für Gott und die Welt", sagte Pfarrer Josef Schmaderer in seinem Begrüßungsworten, der aufforderte, Augen, Ohren und vor allem das Herz offen zu halten. In seiner Predigt wurde der Ortsgeistliche deutlicher: " Wir haben Verantwortung vor dem Leben, vor der Würde jedes Einzelnen, angefangen vom ungeborenen bis zum hilflos sterbenden Menschen". Der Verantwortung gerecht
werden könne man durch die von Gott erhaltenen Gaben und Fähigkeiten. Die Ideologien, deren viele Menschen verfielen, wie das nationalsozialistische System, die kommunistische Herrschaft und das Unrechtsregime der DDR, haben diese Verantwortung vor Gott unterdrückt, "die Menschen belogen und betrogen und jegliche religiöse Gesinnung aus dem Herz gerissen". Dies führe hinein, bis in die Zusammensetzung heutiger Parlamente. "Ideologien nehmen die Freiheit und machen den Menschen zu einem seelenlosen Rädchen, der ausschließlich durch wirtschaftliches Denken zu einer Nummer oder Ware degradierte wird" so Pfarrer Josef Schmaderer. In den Zeiten eines menschenverachtenden Kapitalismus und seelenlosen Materialismus zähle nur mehr die Nützlichkeit und Brauchbarkeit eines Menschen. Eine Welt ohne Gott, in der unbegründete und scharfe Kritik an der Kirche geübt wird, führe zu einer fröhlichen Verantwortungslosigkeit gegenüber Gott und den Menschen. "Die Vergangenheit zeigt, wohin das führt".
"Frieden ist ein Menschheitstraum", brachte die Liedertafel bei der Gedenkstunde am Kriegerdenkmal gesanglich zum Ausdruck, nach dem Gebeten von Pfarrer Josef Schmaderer und seinem evangelischen Amtskollegen Pfarrer Heiko Herrmann, der sich erstmals - auf Wunsch von Bürgermeister Michael Adam - in die Feier miteinbrachte. In seinen Ausführungen zeichnete der Rethauschef ein Bild seiner Generation: "Nach sechs Jahrzehnten leben immer weniger Menschen unter uns, die die Zeit der NS-Diktatur und des Zweiten Weltkriegs noch selbst erlebten und anderen davon berichten können". Aber er rückte auch die Trauer und die Erinnerung in den Mittelpunkt: "Erfahrungen prägen und wirken nach". Dabei verweist er auf die Arbeit des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge, die den jungen Menschen ein vielseitiges Angebot bietet, die Erinnerungen unmittelbar zu bewahren und davon zu lernen. "Wir gedenken der Toten nicht nur, weil wir Trauer verspüren,. sondern weil sie uns etwas zu sagen haben". Sie zeigen, wohin Hass, Gewalt und Verblendung führen und "zu welcher Unmenschlichkeit der Mensch fähig ist". Bürgermeister Adam hob auch die "große geschichtliche Leistung" hervor, die den Deutschen ein friedliches Leben seit Ende des Zweiten Weltkriegs ermöglicht, die Entwicklung Deutschlands zu einer stabilen Demokratie, so wie die Auslandseinsätze der Bundeswehr als "größter Truppensteller für Friedensmissionen". Die Erinnerung an die dunklen Momente unserer Geschichte und das Gedächtnis der Toten können den Weg zu Frieden und Mitmenschlichkeit weisen: "Versöhnung lebt - sie ist aber auch eine wesentliche Voraussetzung für den Frieden".
VdK-Ortsvorsitzender Werner Leipold kommt in seiner Gedenkrede auf die Armut in der Bevölkerung zu sprechen: "Wenn in unserer Gesellschaft Solidarität und Gerechtigkeit vernachlässigt werden, ist der soziale Friede in Gefahr". Deswegen beginne der Frieden inmitten jeder Gesellschaft, der nur möglich ist, "wenn wir jeden einzelnen Menschen achten". Armut sei nicht nur eine bedenkliche Entwicklung, sondern bringe viel sozialen Zündstoff und sei ein schlechter Friedensstifter. Daher trete der VdK mit seinem Motto "Zunkunft braucht Menschlichkeit" für die Wahrung des sozialen Friedens ein, was seine ureigenste Aufgabe ist.
In der Totenehrung gedachte der Vorsitzende des Krieger- und Soldatenvereins, Hans Treml, den Opfern von Krieg und Terror, den Männern, Frauen und Kindern aller Völker, den getöteten Bundeswehrsoldaten, allen die ihre rechtmäßige und angestammte Heimat im Zuge der Teilung Deutschlands und Europas verlassen mussten, den Kriegsgeschädigten und Hinterbliebenen, den Opfern der Ausländerfeindlichkeit und ermutigte zur Hoffnung für Verständigung und Versöhnung unter den Menschen.
Bürgermeister Michael Adam und die Vorsitzenden Werner Leipold und Hans Treml legten nach ihren Ansprachen für den Markt Bodenmais, den Krieger- und Soldatenverein mit den beiden Reservistenkameradschaften und dem VdK-Ortsverband als äußere Zeichend des Dankes und der Anerkennung Waldkränze nieder. Johann und Josef Weikl, Jörg und Martin Wolf von der Reservistenkameradschaft Silberberg hatten die Ehrenwache am Kriegerdenkmal übernommen. Drei Böllerschüsse hallten über den Marktplatz als sich die Vereinsfahnen senkten und die Knappschaftskapelle zum Abschluss der Feierstunde das Lied vom guten Kameraden, die Nationalhymne und das Bayernlied intonierte.
Timo Krause
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