Klick mich!

Ein alter Brauch ist immer noch lebendig!

Wolfauslassen in Bodenmais am 11.11.

Das „Wolfauslassen“ in Bodenmais - Ohrenbetäubend, beeindruckend und traditionell

Wer es noch nicht erlebt hat, wird wohl staunen und vielleicht sogar ein wenig erschrecken. Für die Einheimischen aus dem Bayerischen Wald gehört das zu dieser Jahreszeit essentiell dazu. Der Brauch des „Wolfauslassen“.

Jedes Jahr am 10. und 11. November ziehen junge Burschen und Männer (ab und zu auch ein paar Frauen) in Gruppen formiert und mit umgehängten Glocken durch die Straßen und machen einen Höllenlärm. Dazu gesellen sich noch jeweils  Männer die die Peitsche zum Knallen bringen. Das „Goaslschnalzen“ ist allerdings nicht dasselbe wie die mit kleinen „Goasln“ im Oberland. Im Bayerischen Wald werden große und schwere Peitschen geschwungen. Das ist eine Kunst für sich und so manch einer trug hier beim „Training“ schon Verletzungen davon.

Als „Wolf“ bezeichnet man die Gruppe die aus mindestens zwei und bis zu mehr als 100 Männern und Frauen bestehen kann. Jeder „Wolf“ hat einen „Hirten“.  Der, der das Kommando zum Rhythmus und zur Lautstärke vorgibt.  Das Amt des „Hirten“ ist im Bayerischen Wald eine Frage der Ehre und wird manchmal sogar von Generation zu Generation weitervererbt.

Der Brauch des Wolfauslassen geht in das 18. Jahrhundert zurück. Wenn die Tage kürzer werden und das Vieh von den Schachten getrieben wurde, kamen auch die Hirten zurück in den Ort. Sie feierten den Abschluss des Jahres auf den Weiden und forderten geleichzeitig auch ihren Lohn für den Sommer vom Bauern ein. Der traditionelle „Hirtenspruch“, der vor dem Läuten aufgesagt wird, berichtet darüber. 

Damals zog der Hirte mit dem „Gesinde“ des Hofes (Mägde, Knechte, Erntehelfer), welche sich die Kuhglocken der Tiere umgehängt hatten, durch die Straßen und machten lautstark auf sich aufmerksam.

Die Glocken entstammen dem Ursprung als die Hirten den Weidetieren Glocken umgehängt hatten. Zum Schutz vor Bären und Wölfen droben auf den Schachten (höher gelegene Sommerweiden) in den Wäldern, diese mussten vertrieben werden, je lauter desto besser. Die heutigen Glocken sind allerding um ein vielfaches größer. Bis zu 30kg schleppen die Männer in diesen zwei Nächte mit sich herum.

Der Höhepunkt des Wolfauslassen in Bodenmais ist alljährlich am 11. November gegen ca. 22.00 Uhr. Dann marschieren sternförmig alle „Wölfe“ des Ortes, zur Kuhbrücke (Bahnhofstraße) und läuten dort - alle gemeinsam. Beim sogenannte „Zusammenläuten“ sind teilweise bis zu 400 Glocken zu hören. Nichts für schwache Ohren. Zu den ca. sechs Bodenmaiser „Wölfen“ gesellen sich noch bis zu 300 Zuschauer, die teilweise mit Oropax ausgestattet sind, und machen aus dem alten Brauchtum ein „Event“. Die Tradition lebt. Christian Haller, Urgestein der Bodenmaiser Wolfauslasser Tradition und seines Zeichens seit mehr als 20 Jahren Hirte des größten „Wolfes“ im Ort freut sich sehr über die wachsende Beliebtheit des alten Brauchtums:

„Teilweise nehmen sich die Burschen Urlaub um mit voller Kraft beim Wolfauslassen dabei sein zu können. Die Vorfreude auf das Spektakel beginnt schon mit der Herbstzeit. Die Glocken werden dann schon hergerichtet und das Peitschen geübt.“

Bis spät in die Nacht wird geläutet und gefeiert. Brauchtum hautnah und vor allem hörbar.

In diesem Jahr zum ersten Mal : Unsere WOLFAUSLASSER-TOUR
Die Wolfauslasser-Tour ist eine einzigartige geführte Wanderung am 11.11.2019 in Bodenmais.
Bei der Tour durch den Ort werden euch interessante Geschichten zu Brauchtum und Tradition des Wolfauslassens erzählt. Natürlich seid ihr auch beim Höhepunkt, beim „Zusammenläuten“ aller, auf der „Kejbruck“ (Kuhbrücke) live dabei.

Treffpunkt: 11.11.2019, 19:00 Uhr, Neues Rathaus (Bahnhofstraße 56, Bodenmais)
Ende: ca. 22:00 Uhr
Anmeldung erforderlich!
info@bodenmais.de / 09924/778 135

Merkliste

Webcam