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Ein unzertrennliches Paar

Glas und Bodenmais gehören einfach zusammen. Bereits seit dem 15. Jahrhundert wird hier unterm Silberberg Glas hergestellt. Eine Zeitreise

Der Bayerische Wald hat eine lange Glasmachertradition und ist so eng mit Glas verbunden, wie kaum eine andere Region. Seit sieben Jahrhunderten wird hier in Bodenmais Glas geblasen. Und das Wissen und das beschwerliche Handwerk rund ums Glas von den Glasmachern von Generation zu Generation weitergegeben. Heute gilt der Bayerische Wald, durch den die Glasstraße führt, mit seinen Glashütten, Glasmachern und Glaskünstlern als eines der wichtigsten Glaszentren in ganz Europa.

Auch in Bodenmais hat das Glasmachen Tradition. Bereits im 15. Jahrhundert wurde hier Glas zu Gläsern, Kelchen oder Perlen verarbeitet. Es gab etliche Glashütten in und um Bodenmais. Der Wald bot ideale Voraussetzungen für die Entwicklung des Industriezweiges, denn er lieferte die wichtigsten Rohstoffe Holz und Quarz in Hülle und Fülle. Holzpottasche als für die Schmelze notwendiges Flußmittel wurde von sogenannten „Aschenbrennern“ gebrannt. Zur Feuerung der Glasöfen wurde ebenfalls Holz benötigt. Hatte eine Glashütte den Holzvorrat in ihrer Umgebung verbraucht, wurde sie an eine andere Stelle in den Wald verlegt. Solche Umsiedelungen, auch „wandernde Waldglashütten" genannt, fanden je nach Holzreichtum in Abständen von 25 bis 70 Jahren statt.
Der Quarz für die Glasmasse – auch „Kies“ genannt – wurde entweder im Wald gesammelt oder in Steinbrüchen abgebaut. Lediglich Kalk und Ton für die Herstellung der feuerfesten Schmelzhäfen mussten von weiter her bezogen werden.

Die Phase der „wandernden Waldglashütten“ reichte bis ins 16. Jahrhundert. Bis dahin stellten die Glasmacher hauptsächlich Spiegelglas, Butzenscheiben (runde Glasscheiben) und „Patterl“ genannte Rosenkranzenperlen her. Das änderte sich erst, als gegen Ende des 17. Jahrhunderts das „Böhmische Kristall“, ein kristallklares Kreideglas, erfunden wurde. Für die böhm­ischen und auch bayerischen Glashütten brach damit eine Blütezeit an. Gleichzeitig stieg damit der Bedarf an Holz, das zu einem wertvollen und teuren Gut wurde. So geriet die Glasindustrie durch die steigenden Holzpreise und die Konkurrenz der aufkommenden Holzwirtschaft Anfang des 19. Jahrhunderts in eine heftige Krise, die sie aber bald überwand. Doch mit dem Ausbau des Schienennetzes Ende des 19. Jahrhunderts waren die Glashütten unabhängig von ihrem Standort geworden, die Rohstoffe wurden von weit her angeliefert. So verließen immer mehr Hütten die tiefen Waldgebiete des Bayerischen Waldes und siedelten sich an den Eisenbahnlinien an.

Die veränderten Standortbedingungen und die rasante technische Entwicklung der Glasherstellung sowie die ungünstige Verkehrslage setzten den Glashütten im Bayerwald schwer zu. Während Kelchgläser, Zier- und Kunstglas noch bis nach dem Zweiten Weltkrieg vielfach im Bayerischen Wald produziert wurde, suchte sich die automatisierte Flachglas-Massenproduktion rentablere Standorte außerhalb des Waldes. Die letzten Flachglashütten im Bayerischen Wald stellten den Betrieb bereits vor dem Zweiten Weltkrieges ein.

Nichtsdestotrotz: Das handwerkliche Geschick der Glasbläser, die Vielfalt ihrer hochwertigen Produkte wurden bis heute weitergegeben – gerade in Bodenmais. Und bis heute ist ein Name mit der Glastradition unterm Silberberg untrennbar verbunden: „Kagerbauer“. Schon im 18. Jahrhundert ist Kagerbauer als Besitzername eines Bodenmaiser Glashütten-Gutes urkundlich erwähnt. Und es ist die Familie Kagerbauer, die aus einem Ein-Mann-Betrieb das JOSKA Glasparadies geschaffen hat. Von Josef Kagerbauer sen. im Jahr 1960 gegründet, ist JOSKA heute Weltmarktführer für Kristalltrophäen und eines der größten und gefragtesten Glasunternehmen an der Glasstraße. Inzwischen ist es Josef Kagerbauer jun., der das Traditionsunternehmen führt und die alte Handwerkstradition des Glasmachens mit innovativen Ideen verknüpft.

Glas ist nicht nur Gebrauchsgegenstand, sondern auch gefragter Rohstoff für Techniker und Tüftler, Künstler und andere kreative Köpfe. Das erlebt man kaum besser als im JOSKA Glasparadies in Bodenmais. Etwa eine Million Besucher lassen sich hier jedes Jahr von der Magie des Glases und des Glasmacherhandwerks verzaubern. Die Glasmachertradition begeistert. Immer noch.

Schauen Sie in der Waldglashütte den Glasbläsern bei ihrer beschwerlichen und schweißtreibenden Arbeit zu. Spüren Sie die knapp 1500°C, die den Glasmachern am Ofen entgegenflimmern. Beobachten Sie Glasschleifer und Graveure in Aktion, wenn sie dem edlen Kristall den letzten Schliff verpassen. Lassen Sie sich von den Glasmalern oder Kunstglasbläsern inspirieren, die selbst die kleinsten Glasstücke mit viel Liebe zum Detail gestalten oder in Form bringen. Über die Jahrhunderte hat sich das Handwerk des Glasmachens kaum verändert!

Die JOSKA Waldglashütte zählt zu den ­modernsten Glasschmelzanlagen in Europa – und zugleich zu den Glashütten, in denen noch ganz traditionell gearbeitet wird – nach alter Handwerkskunst der Glasmacher im Bayerischen Wald. Neueste Technik macht‘s möglich, dass ohne Schadstoffbelastung für die Umwelt und die Natur Glas geschmolzen wird. Und die Glasmacher sorgen mit kreativen Ideen, jahrelanger Erfahrung, echter Handarbeit, Feingefühl und Geschick dafür, dass aus dem geschmolzenen Glas glänzende Glaskunst wird. Hier in der JOSKA Waldglashütte werden Trophäen für zahlreiche hochkarätige Sportveranstaltungen produziert, darunter die weltberühmte FIS-Weltcup-Kugel, kurz „Kristallkugel“ genannt.

Und auch im JOSKA Glasparadies selbst können Besucher sich von der Magie des Glasmachens verzaubern lassen. Sie wollen es selbst einmal versuchen?
Dann schauen Sie vorbei und blasen Sie Ihre eigene Glaskugel!


Glas: Das ist drin
Die Rohstoffe für Glas werden nach uralten Rezepten in der „Gemenge­kammer“ zur Mischung vorbereitet. Quarzsand, Kalk, Soda und Pott­asche sind dabei die wichtigsten Rohstoffe für die Glasherstellung.
 

 

...und noch vieles mehr im Bodenmaiser Gästemagazin

Diese und noch viele weitere interessante Geschichten und Artikel finden Sie in unserem Bodenmaiser Gästemagazin "Unterm Silberberg"!
Jeden zweiten Monat erscheint eine neue top aktuelle Ausgabe mit allerlei Lesenswertem und Wissenswertem aus und über Bodenmais.
Entweder gleich hier abbonieren und bequem nach Hause geliefert bekommen oder einfach beim nächsten Besuch in Bodenmais mitnehmen.

 

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