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Mystisches Bodenmais

Schon mal was von der Arberhexe gehört? Nein? Dann aufgepasst! Hier erzählen wir Ihnen gruselige Geschichten und schaurige Sagen rund um den Ort

Nebelschwaden legen sich über die Wogen des Bayerischen Waldes. Die herbstliche Landschaft hat etwas mystisches, sagenumwobenes. Genau die richtige Zeit für gruselige Geschichten und schaurige Sagen! Von diesen gibt es rund um Bodenmais genug. Hier erzählen wir Ihnen einige davon:

Der Arbergeist

Dieser Geist geht im Arbergebiet um. Er versucht, Wanderer zu täuschen, sie vom Weg abzulocken, bis sie sich verlaufen und hilflos umherirren. Der Arbergeist gibt dem Wanderer immer mehr faszinierende Naturschönheiten zu sehen, lockt sie damit immer weiter vom Weg, bis sie sich nicht mehr auskennen.

Er lässt Wanderer hilflos umherirren

So manchen hat der Arbergeist an einem nebligen Tag oder im Schneetreiben versucht, in die Abgründe der Arberseewand zu locken. Insbesondere am Mittagsplatzl geht die Arberwand fast senkrecht zum Arbersee runter. Es gibt viele Geschichten, laut denen Wanderer fast den Abgrund übersehen hatten und sich gerade noch festhalten konnten, um den Sturz in den ­sicheren Tod zu vermeiden. Alle erzählten sie, dass sie sich verlaufen haben, obwohl sie den Arber sehr gut kannten. Hat der Arbergeist sie vom Weg abgelockt? Und wie viele sind die Steilwand schon hinuntergestürzt und spurlos im Arbersee verschwunden?

Heute schützt ein Kreuz vor dem Arbergeist

Doch keine Sorge! Bei der Stelle am Mittagsplatzl wurde vor dem Abgrund ein Kreuz aufgestellt, hier hat nun der Arbergeist keine Macht mehr und kann keine Menschen mehr in den See stürzen.

Die Arberhexe

Der Arbergeist treibt sein Unwesen rund um den Arber, den Gipfel aber darf er nicht betreten. Dieser gehört der Arberhexe. Sie ist die mächtigste und böseste Hexe im Bayerischen Wald und hat das Vorrecht, auf dem Arberplateau zu leben. Wehe, ein Wanderer stört in der Nacht ihre Ruhe! Der ist verloren, wird von der Hexe gekratzt und gebissen, bis er ganz zerschunden das Arberplateau eiligst verlassen muss. Nur der Hexe allein gehört der Arbergipfel in der Nacht!

In der Walpurgisnacht, dem 30. April, lädt die Arberhexe alle Hexen des Bayerischen Waldes zum Tanz auf dem Arber ein, hier wird die Hexennacht mit ausschweifenden Tänzen gefeiert. Aber auch in der Allerheiligennacht, dem 31. Oktober, treffen sich die Hexen, um den Sieg der Nacht über den Tag zu feiern. Beide Nächte gelten als Raunächte, hier steht das Tor zur Geisterwelt offen und die Hexen nutzen diese Tage, um mit den Geistern in Verbindung zu treten.

Der Große Arber galt lange als verrufener Berg

Der Arber galt lange als verrufener Berg. Hinter der Sage der Arberhexe steckt, dass unsere Vorfahren, die Kelten, den Arber als Sitz ihrer dreifaltigen Göttin ansahen, die als weiße, rote oder schwarze Frau erschien. Je nachdem, wie sie gekleidet war, brachte sie Gutes oder Schlechtes zu den Leuten. Der Arber selbst scheint, wenn man diesen von der Ferne betrachtet, als hätte er drei Gipfel, was diesen Kult begünstigt haben dürfte. So wallfahrteten unsere keltischen und germanischen Vorfahren zum Arber, um der Göttin zu huldigen.

Die Arberkapelle soll vor der bösen Hexe schützen

Als dann das Christentum Einzug hielt, verrief man diese Göttin zur Hexe und keiner sollte sich mehr auf den Berg wagen, ansonsten würde er verhext. Diese Geschichte brannte sich so stark in die Gedanken der Waidler ein, dass sie den Berg bis 1800 mieden. Erst als die ersten Sommerfrischler (Gäste aus den Städten) kamen und den Gipfel ersteigen wollten, mussten die Einheimischen zwangsweise wieder auf den Arber. Verflogen war die Angst vor der Hexe aber noch nicht. Um sie zu bannen, errichtete man Anfang 1800 die Arberkapelle.

Der mystische Arbersee

Eine alte Sage erzählt, dass einst ein Wanderer um den Großen Arbersee ging, da hörte er eine Stimme flüstern: „Nicht die richtige Zeit, nicht das richtige Opfer.“ Der Mann suchte, woher die Stimme kam, konnte aber niemanden sehen. So dachte
er sich, der Wind hätte ihm einen Streich gespielt, als dieser durch die Äste pfiff. Kurze Zeit darauf begegnete er zwei anderen Wanderern, ein Mann und eine Frau, die die Tour entgegengesetzt gingen. Sie grüßten sich freundlich, gingen aneinander vorbei. Ein paar Minuten später hörte er wieder diese flüsternde Stimme: „Der richtige Ort und das richtige Opfer.“ Wieder schaute er sich um und konnte niemanden entdecken. Einige Tage darauf erfuhr er, dass an diesem Tag, an dem er um den Arbersee ging, ein Pärchen verschwunden war. Erst Tage später fand man ihre leblosen Körper auf der Wasseroberfläche treiben, beide waren ertrunken.

Ist der Arbersee mit einem Fluch belastet?

Immer wieder verunglücken Menschen tödlich in der Nähe des Arbersees, manche stürzen von der Arberseewand, andere ertrinken im See. Ist der Arbersee mit einem Fluch belastet? Oder deutet diese alte Sage auf einen uralten Ritus unserer Vorfahren hin? Für die Kelten waren bestimmte Gewässer ­heilige Orte, an denen sie Opfer­ungen durchführten. War der Arbersee ein solcher Ort?

Folgende Sagen würden diese These bestätigen:

Die goldenen Fische vom Arbersee
Im Arbersee schwimmen laut alter Legende goldene Fische, sie haben Augen aus den schönsten und wertvollsten Edelsteinen. Wer einen solchen Fisch fängt, der könnte sich ein Königreich kaufen. Aber wehe dem, der diese Fische aus dem Wasser holt, dieser wird vom Arbersee verschluckt und muss elendig ertrinken. Deutet diese Geschichte auf die geopferten Schätze hin? Soll sie die Menschen davon abhalten, diese zu bergen und so die Götter zu erzürnen?

Keine Steine in den Arbersee werfen
In den Arbersee darf man keine Steine werfen, die Ruhe des Gewässers darf nicht gestört werden. Wer Steine hineinwirft,
erzeugt Wellen. Der Arbersee kann laut alter Erzählung diese so groß machen, dass das Wasser aus dem See schwappt und den Bayerwald komplett überflutet. Deutet diese Sage darauf hin, dass der Arber für unsere Vorfahren ein sakraler Ort war, an welchem Ehrfurcht und Demut zu zeigen sind, um die dort lebenden Wesen und Götter nicht zu beleidigen?

Tor zur Unterwelt
Der Arbersee hat auch den Ruf, ein Tor zur Unterwelt zu sein. Wer tief in den Arbersee hinab taucht, taucht in der Unterwelt wieder auf. Durch seine schwarze Färbung hielt man den See für einen Zugang zur Hölle. Vielleicht glaubte man, dass durch solche Zugänge die Teufelsbrut auf die Erde kam. So war der See zu meiden, denn wer wollte gerne in der Nähe sein, wenn ein Dämon aus dem See aufstieg? Diese Geschichte deutet ebenfalls auf einen sakralen Ort unserer Vorfahren hin. Was für die Kelten und Germanen heilig war, wurde später von der Katholischen Kirche als Teufelsort verrufen. So wurde dieser sakrale See als Tor zur Unterwelt verschrien. Damit brachte die Kirche die Heiden von ihren sakralen Plätzen weg und machte so den alten ­Glauben vergessen.

Der Riederinfelsen

Auf dem Riederinberg steht der etwa 10 Meter hohe, markante Riederinfelsen. Laut alten Überlieferungen sind dort Keltenschalen eingeschlagen worden.
Diese Opferschalen werden von den Einheimischen als Blutrinne bezeichnet, hier sollen den Göttern Opfer gebracht worden sein. Was genau diese Opfer waren, kann man heute nicht mehr genau sagen, aber von der größeren Opferschale geht eine Rinne über den Felsenrand weg. Dort kann man sich mit Grausen vorstellen, dass hier Menschen oder Tiere geopfert und das Blut in der Rinne aufgefangen wurde, bis diese so weit gefüllt war, dass das Blut über die Rinne in den Abgrund floss.

Was außerdem für einen keltischen Opferplatz spricht, ist, dass man vom Riederinfelsen einen schönen Blick auf den heiligen Berg der Kelten hatte, den Großen Arber. Man sieht vom Felsen direkt in die Rieslochschlucht, die, wenn sie durchquert wird, zum Arber führt. So könnte der Rieder­infelsen die letzte Station der keltischen Wallfahrer gewesen sein, bevor sie sich am nächsten Tag zum König des Bayerischen Waldes aufmachten.

Der Riederinfelsen wurde im Dritten Reich auch als Opferstätte und mystischer Ort von der SS markiert, es wurde ein Schild mit dem Hakenkreuz darauf angebracht. Heinrich Himmler ließ solche alten Kultorte suchen und kartographieren, damit er sie nach dem Endsieg für seine SS-Rituale verwenden konnte. Dieses Schild wurde nach dem Zweiten Weltkrieg wieder entfernt, heute erinnert nur noch eine Eisenstange, wo dieses Schild angebracht war. 2015 wurde auf dem Riederinfelsen ein Gipfelkreuz angebracht.

Männlein vom Moosbach

Eine alte Sage erzählt von einem kleinen Mann, der sich in den Wäldern um den Moosbach aufhält und dort einen großen Schatz bewacht. Laut Sage kann dieser Schatz nur in der Christnacht um Mitternacht gehoben werden, aber man müsse darauf achten, dem kleinen Mann nicht zu begegnen. Zu diesem Zeitpunkt verrät ein helles Licht, wo sich der Schatz befindet.

Sie starben auf mysteriöse Weise

Drei Burschen aus Bodenmais machten sich also in der Christnacht auf, um den Schatz zu heben. Am nächsten Morgen trafen Kirchgänger die drei Burschen, die erst jetzt aus dem Wald zurückgekommen waren. Alle drei waren Kreidebleich und konnten kein Wort über das verlieren, was ihnen im Wald widerfahren ist. In den kommenden drei Wochen verstarben alle drei Burschen auf mysteriöse Weise. Seitdem hat niemand mehr versucht, den Schatz vom Moosbach zu heben.
 

Die Pferde mit Zöpfen

Ein Mann aus Bodenmais, der in der Rechenstraße wohnte (Friseur Eibl), hatte in seinem Stall zwei Pferde. Eines Morgens bemerkte der Mann, dass die Pferde geflochtene Zöpfe hatten. Er dachte deshalb, jemand sei in der Nacht in den Stall eingestiegen und hätte ihm einen Streich spielen wollen. Er sperrte also am anderen Abend den Stall ab. Doch auch am nächsten Morgen hatten die Pferde wieder geflochtene Zöpfe an der Mähne und am Schweif. Er holte deshalb einige Männer zusammen, um sich nachts auf die Lauer zu legen und dem vermeidlichen Spitzbuben auf frischer Tat zu ertappen. Doch sie sahen die ganze Nacht niemanden, der sich dem Stall näherte. Als die Männer dann am Morgen nach den Pferden sahen, wurden sie bleich wie die Wand: Die Pferde hatten wieder alle beide geflochtene Zöpfe, obwohl die ganze Nacht niemand im Stall gewesen sein konnte. Wer oder was wohl dahintersteckte? Das weiß bis heute niemand!
 

Das grüne Wasser

Aus einem Stollen am Silberberg kam einst grünes Wasser hervor. Dort sollte es noch bis nach dem Zweiten Weltkrieg geweihrazt (gespukt) haben. Man sah dort des Öfteren in den Nächten nach Allerheiligen kleine Lichter umherfliegen. Damals waren einige Bergmänner bei einem Unfall von einem Felsen erdrückt worden. So kam der Pfarrer mit zwei Ministranten, um den Opfern die Sterbesakramente zu spenden. Sie gingen hinein, doch kamen auch sie nicht mehr aus dem Stollen heraus. Wo sie abgeblieben sind, weiß bis heute keiner. Seit diesem Ereignis hatte man dort immer wieder kleine Lichter gesehen.

Der "Bäcker-Gogl-Riegel"

Der „Bäcker-Gogl-Riegel“ ist ein großer, etwas merkwürdig aussehender Felsen oberhalb der „Melwies“ im Rechenwald in Bodenmais. Er soll früher ein mystischer Ort gewesen sein, wo Hexen ihre Rituale mit dem Teufel abgehalten haben. Ein ­mysteriöser Todesfall bei dem Felsen verbreitete Angst und Schrecken. Zwei Frauen waren dort im Wald unterwegs, um ins Böhmische zu kommen. Als beide nicht mehr zurückkehrten, suchte man sie und fand ihre Leichen unterhalb des Felsen liegen. Doch ein Verbrechen war auszuschließen, da ihnen weder Geld noch sonst etwas gestohlen wurde. So sagte man, die beiden seien in ein Ritual der Hexen und des Teufels geraten und wurden von ihnen getötet. Über viele Jahrhunderte rankten sich etliche Sagen um den „Bäcker-Gogl­-Riegel“, der seit jeher als teuflischer Ort bekannt war.
 

 
Die Geschichten-Erzähler


Josef „Sepp“ Probst
Der Heimatforscher und Autor aus Regen begeistert sich seit jeher für Sagen und Legenden rund um den Bayerischen Wald. Er hat für Sie die Geschichten über den Arbergeist, die Arberhexe, den Arbersee und den Riederinfelsen aufgeschrieben. Mehr Geschichten und Touren zu den Orten finden Sie im Internet unter: www. mystischer-bayerischer-wald.de oder auf Facebook: www.facebook.com/mystischerbayerischerwald

Tobias Krenn
Der Abiturient und künftige Student hat sich schon in seiner Kindheit für schaurige Sagen interessiert. Von seinen Großeltern und Bekannten hat er sich viele erzählen lassen. Heute erzählt der Bodenmaiser sie selber und wandert gerne zu den Orten, an denen die Geschichten spielen. Für Sie aufgeschrieben hat er die Sagen vom Männlein am Moosbach, von den Pferden mit Zöpfen, vom grünen Wasser aus einem Silberberg-Stollen und vom „Bäcker-Gogl-Riegel“.

 

...und noch vieles mehr im Bodenmaiser Gästemagazin

Diese und noch viele weitere interessante Geschichten und Artikel finden Sie in unserem Bodenmaiser Gästemagazin "Unterm Silberberg"!
Jeden zweiten Monat erscheint eine neue top aktuelle Ausgabe mit allerlei Lesenswertem und Wissenswertem aus und über Bodenmais.
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