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Stille im Woid

Wildtierflüsterer Woid Woife erklärt, wie sich Tiere und Pflanzen im Arberwald auf den kalten Winter vorbereiten

Die Tage werden kürzer, der Wald verändert sich. Es ist still geworden und viele Vögel sind verschwunden, haben sich in ihre Winterquartiere zurückgezogen. Die hiergebliebenen Arten wissen schon lange vor dem Menschen, dass es nun Zeit ist, sich auf die kalte Zeit einzustellen.

„Indian Summer“ im Bayerischen Wald

Doch nicht nur die Tiere bereiten sich nun auf den langen Winter vor, auch die Pflanzen haben sich schon umgestellt. Das Wachstum wurde eingestellt und die Bäume tragen nun buntes Laub. Denn noch bevor der erste Frost kommt, bauen die Bäume und Sträucher ihr Blattgrün ab. Bevor der Winter im Bayerwald Einzug hält, nimmt der Baum alle wichtigen Nährstoffe (Chlorophyll) aus den Blättern und lagert sie in den dicken Ästen und dem Stamm ein. Dort werden die stickstoffhaltigen Komponenten bis zum nächsten Frühjahr eingelagert. Durch diesen Prozess verfärben sich die Blätter nun in verschiedenste Gelb- und Rot-Töne. Der „Indian Summer“ im Bayerischen Wald beginnt. Die für den Baum nicht mehr „wertvollen“ Blätter werden anschließend abgeworfen. Dort werden sie zu Nahrung und Lebensraum vieler Lebewesen und später zum ­Dünger des Waldes. Würde der Baum diesen Prozess nicht machen, würden weiterhin täglich bis zu 70 Liter Wasser über seine Blätter verdunsten. Aus dem gefrorenen Boden könnte aber kein Nachschub zu beschaffen sein und der Baum würde im Winter schlichtweg verdursten.

„Eichhörnchen“ hat nichts mit Eicheln zu tun

Aber auch im Herbst gibt es noch tierisches Treiben im Wald zu beobachten. Unzählige Eichhörnchen kann man nun flink am Boden umher huschen sehen. Daher übrigens der Name: Das altdeutsche „Aig“ bedeutet so viel wie „flink“. Aus dem „Aig“ wurde später ein „Eich“. „Eichhörnchen“ hat also nichts mit der Eichel zu tun! Allerdings tollen die putzigen Tierchen nicht aus purer Lebensfreude umher, sondern um den Winter überhaupt überstehen zu können. Sie halten keinen Winterschlaf, lediglich eine Winterruhe und müssen für ihre Wach­zeiten gut versorgt sein ­– und das sind sie nur nach einem fleißigen Herbst. Nur wer genug Nahrung versteckt, hat im Winter keine Sorgen. Im Herbst versuchen die Eichhörnchen, fettreiche Nahrung zu horten. Sie vergraben eifrig Haselnüsse und die beliebten Walnüsse. Die wichtigen Fichtensamen bekommen sie im Arberwald ganz ohne sie verstecken zu müssen. Auch optisch verändern sie sich. Das Winterfell hat ihnen dicke Ohrenwärmer angezogen. Alle europäischen Eichhörnchen, egal ob schwarze, rote oder braune, bekommen im Herbst große Ohrpuschel.
Außer dem Eichhörnchen fällt noch ein anderer Waldbewohner im Herbst besonders auf: der Eichelhäher. Sein Name leitet sich tatsächlich von seiner Vorliebe für Eicheln ab. Bis zu zehn Stück kann er davon in seinem Kehlsack transportieren. Jedoch sind auch verschiedenste Nüsse und Samen auf seinem Speisezettel für den Wintervorrat. Auch er vergräbt davon so viel wie möglich im Boden, findet bis zum nächsten Frühling aber nur einen Teil davon wieder. Der Rest wird wieder zu einem Baum oder Strauch. Er ist also nebenberuflich Gärtner.

Selbst das Reh sieht nun, bei genauerer Betrachtung, völlig anders aus. Das rotbraune Fell weicht der dicken grauen Winterdecke. Die Fettdepotbildung ist nun abgeschlossen und das Reh schaltet in den Energiesparmodus. Und das Fell des Hermelins beginnt sich nun weiß zu verfärben, so ist es in der schneereichen Zeit bestens getarnt und kann sich Beutetieren unbemerkt nähern.

Vogelgezwitscher durchbricht die Stille

Viele der Insekten sterben im Herbst ab und die restlichen ziehen sich zum Überwintern zurück. Auch die Reptilien befinden sich nun in ihrem Winterschlaf. Über das bunte Treiben im Sommer legen langsam aber sicher der Herbst und der anschließende Winter ihre ruhende Hand. Das Land um den Arber verstummt. Nur die Vögel am Futterhaus bringen in dieser Zeit ein wenig Leben in den sonst so ruhigen Wald.

Für uns Menschen bedeutet das alles: Rücksicht nehmen, damit unsere tierischen Freunde den harten Winter überstehen können. Beobachtet Tiere aus der Ferne und stört sie nicht beim Sammeln ihrer Vorräte. Nehmt ihnen nicht ihre wichtigen Energiereserven, indem ihr sie zur Flucht bewegt. Denn sie sind auf alles eingestellt, nur nicht auf den stetig wachsenden Druck des Menschen.

Bereits Ende Dezember und Anfang Januar, wenn wir Menschen noch gar nicht darauf eingestellt sind, beginnt das Leben im Wald langsam wieder. Eulenvögel beginnen zu balzen, das Rehkitz im Bauch seiner Mutter beginnt zu wachsen, die Bäume bereiten sich auf das Frühjahr vor. Der Kreislauf des Lebens beginnt wieder neu.

„Wildtierflüsterer“ Woid Woife, mit bürgerlichem Namen Wolfgang Schreil, ist ein Bodenmaiser Unikat und ein echter Naturbursche. Der Arberwald ist wie sein Wohnzimmer, die dort lebenden Tiere wie Freunde.
Naturbursche Woid Woife lädt auch Sie zu ­URgeWALDig ­interessanten ­Wanderungen ein, bei denen es immer etwas Spannendes zu ­entdecken gibt. Was genau? Das weiß niemand zu ­Beginn der Tour! Das ist der besondere Reiz dieser ­Wanderungen, sich einzulassen auf die Geheimnisse des Waldes.
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