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Wenn Bodenmais bebt…

…dann ist Wolfauslassen. Was es mit dem Brauch auf sich hat

TIPP: Wolfauslasser-Tour am 11. November 2022
Erleben Sie den spektakulären Brauch des Wolfauslassens in Bodenmais mit Heimatforscher und Buchautor Sepp Probst („Mystischer Bayerischer Wald“). Sepp erzählt, wie der Brauch entstand, was es damit auf sich hat und einiges mehr. Wandern Sie durch Bodenmais auf den Spuren der Wolfauslasser. Sie treffen die Gruppen bei den Höfen und zum großen „Zusammenläuten“ auf der Kuhbrücke. Ein Spektakel, das man gesehen haben sollte! 
Die geführte Wanderung ist kostenlos.
Treffpunkt: Freitag, 11. November, 19 Uhr am Rathaus.
Anmeldung bis zum Vortag 16 Uhr in der Tourist-Info Bodenmais.

Der Brauch

Es ist der 10. November, der Nebel hängt tief. Nur die Spitzen der Bayerwaldberge ragen aus dem Nebelmeer empor. Durch ganz Bodenmais hallt ein dumpfes, ohrenbetäubendes Grollen. Der Grund: das „Wolfauslassen“, ein Brauch, der noch aus der Zeit stammt, als Waldhirten das Vieh auf den Wiesen und Bergweiden des Bayerischen Waldes vor Wölfen und anderen Gefahren schützen mussten. Den Kühen hängte man dazu Kuhglocken um den Hals, deren Geläut die Wildtiere abschrecken sollte. Das „Gebimmel“ diente außerdem dazu, verlorenes Vieh wieder zu finden. Zudem schnalzte der Hirte immer wieder mit seiner „Goaßl“ – einer bestimmten Art Peitsche, die laut knallt. Am Ende des Hirtenjahres trieb der Hirte das Vieh hinab ins Dorf und forderte von den Bauern seinen Lohn. Um diesen einzutreiben, und um sich über das erfolgreiche Hirtenjahr zu freuen, schnallten sich alle Hirten sowie die Knechte und Mägde selbst Glocken um und schnalzten mit ihren „Goaßln“.

In Bodenmais wird dieser Brauch heute noch gelebt. Traditionell findet das „Wolfauslassen“ am 10. und 11. November statt. Für viele junge Waidler ist dieser Termin schon das ganze Jahr über fest im Kalender vermerkt. In mehreren Gruppen finden sich die „Wolfauslasser“ zusammen und ziehen mit ihren schweren Kuhglocken ab dem späten Nachmittag durch den Ort.

In Reih und Glied wird von Wirtshaus zu Wirtshaus, von Bauernhof zu Bauernhof und zur Dorfprominenz gezogen. Vor jeder Haustür wird kräftig geläutet, bis der Hausherr die Tür öffnet. Dann hebt der Hirte seinen Stock und gibt damit den Befehl zum Aufhören. Der Hirte sagt nun seinen Hirtenspruch auf, dann wird wieder kräftig geläutet bis der Hausherr das „Hirtengeld“ herausrückt. In der Regel sind noch eine kleine Brotzeit und Bier für die ganze Gruppe mit dabei. Bis in die Nacht hinein wird durch das Dorf marschiert. Die schweren Glocken zerren zunehmend an den Kräften. So klingt der Tag bei einem gemütlichen Zusammensein aus.

Auch Kinder ziehen in kleinen Gruppen bereits unterm Tag von Tür zu Tür und machen es den „Großen“ nach. Für die kleinen „Woiferer“ gibt es natürlich immer ein paar Euro, mit denen sie sich ihr Taschengeld etwas aufbessern.

Am zweiten Tag des Wolfauslassens, dem Martinstag am 11. November, geht es mit schweren Schultern weiter. Am Abend gegen 21.30 Uhr, nachdem die Wolfauslasser-Gruppen wieder durch das Dorf marschiert sind, wartet der Höhepunkt, das „Zusammenläuten“ aller auf der „Kejbruck“ (Kuhbrücke). Über 1000 Zuschauer kommen jedes Jahr und lassen sich das Spektakel nicht entgehen.  Rund 400 Wolfauslasser und mehrere „Goaßlschnalzer“ und Hirten bringen die „Kejbruck“ zum Beben. Gut eine Stunde dauert das ohrenbetäubende Geläut.

Nach dem „Zusammenläuten“ marschieren die Gruppen wieder zurück zu ihrem Treffpunkt und das Wolfauslassen neigt sich bei dem ein oder anderen Bierchen, einer warmen Mahlzeit und Musik und Gesang dem Ende zu.

 

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